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Open Web: Das Ende des „freien“ Internets naht

… könnte schneller zu Ende geträumt sein, als uns allen lieb ist.

Zur Entwicklung des Journalismus im Netz gab es in der letzten t3n ein interessantes Interview mit Richard Gutjahr. Gutjahr zeichnet ein recht optimistisches Bild:

„Ich glaube dennoch, dass von allen bisherigen Medien das Web am meisten dazu beitragen kann, für demokratische Strömungen zu sorgen. Allein schon aus seine dezentralen Struktur heraus. Es gibt eben nicht den einen, dem die Druckerpresse oder der Sendemast gehört.“

… und genau hier sehe ich die Gefahr für eine zunehmende Entdemokratisierung des Netzes. Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft und Apple betreiben die digitalen Sendemasten. Die letzten Monate haben anschaulich demonstriert, wie Google bspw. einzelne Unternehmen einfach „ausknipsen“ kann, in dem man sie aus dem Index verdrängt.

Google & Co. entscheiden, wer gehört wird

Klar, kann im Netz Jeder seine Meinung sagen. Aber, ob sie gehört wird, entscheiden noch immer einige, wenige Unternehmen.

Die Suche nach „demokratischen“ Distributionswegen für Informationen beschäftigen mich seit Jahren. Ohne, dass ich eine Lösung gefunden habe. Ich hoffe immer noch auf eine Art „Firefox der Internetsuche/Navigation“.

6 Kommentare
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  • 🕝 steffen

    FREIE SUCHMASCHINE

    die grundprinzipien sind klar. das problem ist, dass man für so was heute extrem viel geld fürs webhosting, für die entwicklung und fürs marketing braucht.

    und selbst wenn man dann mal ein fertiges akzeptables produkt hat, ist es extrem schwierig relevante marktanteile zu erobern weil die dahinterliegende thematik der mehrheit der user nicht bewusst ist, bzw. die das gar nicht als problem empfindet.

    die marktmacht von google sich in allen browsern, auf allen pcs und mobilen geräten sich einzukaufen, dagegen ist nur sehr schwer anzukommen. selbst microsoft versenkt da jedes jahr milliarden.

    die chancenungleichheit bei google news und google plus (spiele) sehe ich genauso kritisch. für google wäre es ein leichtes gewesen mehr traffic auf blogs zu verteilen. mit mehr traffic hätten die mehr geld gehabt und sich wesentlich besser entwickeln können. die medienlandschaft hätte heute ganz anders ausgesehen und viel bunter sein können. stattdessen bilden sich die selben monopole im web, die sich auch schon im offline-zeitungsbereich gebildet haben.

  • 🕝 Sebastian (Redaktion)

    > extrem viel geld fürs webhosting

    Ich denke, es ist klar, dass eine freie Suchmaschine nur P2P funktionieren kann. Anders sind die Kosten nicht bewältigbar.

    > viel bunter sein können

    Ja. Das ist echt traurig. Das Web verliert in den letzten Jahren massiv an Vielfalt. Wenn man Google News oder die Blog Suche anwirft, bekommt man nur noch die Giganten zu sehen.

    Für mich macht das diese Suchdienste überflüssig. Wozu soll ich Google News nutzen, wenn mir da eh nur Spiegel, Focus und Welt angezeigt wird?

  • 🕝 steffen

    p2p eignet sich meiner meinung nach nicht wirklich für suchmaschinen. bei großen datenpaketen oder streaming mag so was sinnvoll sein. aber bei vielen kleinen abfragen über verteilte indizes ist so was aus technischer sicht wegen der extrem wechselnden verfügbarkeit der daten sehr unhandlich. noch problematischer wird das bei der indizierung und gewichtung der daten.

    vielleicht trauen sich ja apple oder facebook in zukunft an das thema heran. auch wenn ich solch ein thema aus deren sicht nicht anpacken würde.

    vielleicht kommt ja aus dem asiatischem raum mal ein big player. der den westlichen markt mal erobern will. baidu oder so was.

    was nachrichten angeht, da geh ich meist direkt zu n-tv. wenn die großen nachrichten-portale, die sowie so alles abdecken, ein bisschen besser wären, bräuchte man keine google news suche.

    in der regel will ein user auf einen blick wissen, was es so neues in der welt gibt, und was ihn dann interessiert, das liest er sich durch.

    naanoo gefällt mir unter diesem aspekt sehr gut. wenngleich ihr natürlich nicht alles abdecken könnt. aber die startseiten der großen portale, sind mir unter diesem aspekt ein völliges rätsel.

    das ist doch klassisischen nachrichten-business. das funktioniert genauso wie im fernsehen oder in der zeitung. die wichtigsten themen nach relevanz auf der startseite übersichtlich anordnen und dann die user thematisch und regional absteigen lassen.

    ich finde wir brauchen in deutschland nicht jede menge startups mit neuen komischen unrentablen luftideen. ein paar langfristig orientierte startups ohne exitblick, die sachen in einer entsprechenden qualität für den den deutschen markt vernünftig umsetzen, wären viel erfolgsversprechender.

  • 🕝 Sebastian (Redaktion)

    Der P2P-Ansatz eignet sich sehr gut für Suchmaschinen.

    Googles Crawler sind auch Einzelmaschinen.

    Das Routing der Suchanfragen an die passenden Indizes erfolgt auch bei Google über das Netz über verschiedene Rechenzentren.

    Googles Filesystem ließe sich vermutlich ziemlich schnell auf ein P2P-Netz verteilen. Denn es ist ja darauf ausgelegt, mit unzuverlässiger Hardware zu arbeiten.

    Für den Aufbau der Indizes gibt es schon Blueprints -> die BOINC-Projekte.

    Das kannte ich bislang noch nicht, werde ich mir morgen mal reinziehen:
    http://yacy.net/de/

    Apple, Facebook, Amazon & Co. wären sicher interessante Wettbewerber im Markt. Aber sie würden das „Problem“ nicht lösen. Die fahren auch alle Walled Garden Ansätze und sind Gegner des Open Webs.

  • 🕝 steffen

    P2P verfügbarkeit: ich glaube es ist eine andere qualität ob in großen abständen mal ne festplatte abraucht, oder sich ein rechner permanent am netzwerk an- und abmeldet. netzwerk ist nicht gleich netzwerk.

    Apple, Facebook, Amazon & Co.: ich geb dir recht, dass die gegner des open webs sind. aber um die deutungshoheit von google zu brechen muss erst mal das monopol von google gebrochen werden.

    yacy.net: schade, dass man das erst installieren muss, um es auszuprobieren.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Berkeley_Open_Infrastructure_for_Network_Computing: die resourcen wären dann ja erst mal kein problem.

    p2p hätte sichlich ein paar vorteile. für mich als pragmatiker ist das aber zu aufwendig und komplex. außerdem glaube ich, dass es gründe hat, dass p2p außer zum bloßen datentausch, in der heutigen informationstechnologie noch nicht sehr häufig zum einsatz kommt. ich glaube, dass die datenhaltung einer suchmaschine netzwerktechnisch auch ohne p2p schon herausfordernd genug ist.

  • 🕝 Sebastian (Redaktion)

    > yacy.net

    Wir willst Du eine P2P-Software ohne Installation ausprobieren? Die Suche kannst Du natürlich einfach so testen.

    > ein rechner permanent am netzwerk an- und abmeldet

    Das ist natürlich nicht der Fall, auch in bestehenden P2P-Netzen nicht. Die Supporter stellen i.d.R. schon relativ dauerhafte Ressourcen zur Verfügung. Ein gutes System wird immer prognostizieren und entsprechend verteilen.

    > heutigen informationstechnologie noch nicht sehr häufig

    ??? Quasi alle größeren Informationssysteme basieren auf verteiltem Rechnen. Natürlich nicht demokratisch verteilt. Aber das ist ja nur ein „gedanklicher“ Unterschied und kein technischer.

    Ob ich 50 Rechenzentren a 1000 Rechner vernetze oder 50.000 Privatrechner ist von der Systematik her egal.

    Klar, gibt es immer Probleme / Herausforderungen. Aber die sind lösbar.

    Ich denke, wenn so ein Projekt jemand mit einer guten Historie startet, würden sich viele (auch große) Supporter finden, die große Maschinenparks zur Verfügung stellen. (genau wie bei BOINC)

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