Wirtschaft & Finanzen
Keine steuerfinanzierte Vollkasko – Bankenrettung in Zypern

Foto: albiberon | iStockphoto | Thinkstock

Foto: albiberon | iStockphoto | Thinkstock

Die Bankenrettung in Zypern finde ich total spannend. Man beteiligt mit einem geringen Prozentsatz auch die Konteninhaber.

Zwei Aspekte daran sind besonders interessant:

1. Dagegen-Seier

Gerade die Leute, die am lautesten geschrieen haben, als die Bundesregierung auf schnelle Interventionen gesetzt und mit Bürgschaften die Banken gerettet hat, drehen jetzt erneut am Zeiger. Die steuerfinanzierte Vollkasko fanden sie doof. Die Beteiligung der privaten Gläubiger nun offenbar auch. Da stellt sich die Frage nach Alternativen. Ich fürchte aber, dass die dritte Möglichkeit – Banken sterben lassen = alle Konten auf Null – auf noch weniger Gegenliebe stoßen würde.

Aber „die da oben sind schuld“ ist eben eine einfache Philosophie, die sich immer reiten lässt.

2. Risikobewusstsein

Ich finde es gut, die privaten Gläubiger an Rettungsmaßnahmen zu beteiligen.

10 Prozent sind ein guter Kurs, 20 oder 30 Prozent wären besser. Immerhin schärfen solche Verlust das Risikobewusstsein. Und damit auch die Hoffnung, dass das Geld künftig nicht mehr bei Zockerbanken landen.

Denn das ist auch charakteristisch für solche Diskussionen. Die größte Schreihälse haben ihr Geld merkwürdiger Weise bei Harakiri-Banken und in spekulativen Vorsorgeprodukten, die rüstungs-, atom- und pharmaverseucht sind.

Ich bin sehr froh, wenn solche Pseudomoral mit etwas weniger von meinen Steuern versichert wird.

3. Der Weg

Der eingeschlagene Weg in Europa ist meines Erachtens richtig. Die Rettung der Banken war richtig und wichtig.

Aber wir brauchen jetzt weitere Regulierungen. Die ersten Schritte sind gemacht. Aber gerade diese eine große Bank ist noch immer ein enormes Risiko für Deutschland. Die konsequente Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking muss vorangetrieben werden.

Wenn eine Bank zu groß ist, um Pleite zu gehen, muss sie zerschlagen werden. Das sehen inzwischen selbst zahlreiche Wirtschaftsliberale so.

Ansonsten hilft Aufklärung, Aufklärung, Aufklärungen. Kunden müssen wissen, worin sie investieren. Welches Risiko und welche Nebenwirkungen für die Welt mit ihren Investitionen verbunden sind.

Wer sich dann aufgeklärt für das Risiko entscheidet, muss haften. Notfalls auch mit der vollen Höhe der Einlage oder – je nach Produkt – darüber hinaus.

4 Kommentare
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
2,33 von 53 Stimmen
Loading...

Weitere Artikel zum Thema:
Kommentare:
Diskutieren, Fragen & Erfahrungsaustausch:
Zu diesem Beitrag gibt es schon 4 Kommentare. Diskutiere mit!
  • 🕝 Detlef Reppenhagen

    Es gefällt mir nicht, daß alle gleichermaßen zahlen sollen, auch die Kleinsparer, die am allerwenigsten für die Finanzmisere können! Mir gefällt deshalb der Vorschlag von Herrn Schulz, einen Freibetrag für Kleinsparer zu definieren. 25000 Euro (oder mehr) wäre ganz klug. Im Steuerrecht gibt es ja auch Freibeträge, um die schwachen etwas zu schonen. Es gefällt mir außerdem nicht, daß die „Reichen“ nicht besser eingebunden werden. Wir wissen doch, wer dort Geld hat! Wir brauchen dringend europäische Mindesstandards zur Regelung der Finanzmärkte und möglichst einheitliche Steuersätze mit einer kleinen Vermögensabgabe. Deshalb würde ich dem Rettungspaket nicht zustimmen, es sei denn, ein Freibetrag würde eingerichtet.

  • 🕝 Sebastian

    Es gibt ja zwei Prozentsätze. Insofern hat man die „Kleinsparer“ schon begünstigt.

    Darüber hinaus finde ich das gar nicht gut. Denn siehe oben – wenn viele Kleinsparer ihr Geld in unethische Fonds, Konten etc. drücken, sind die Schäden ebenso da als wenn das wenige Große tun.

    > mit einer kleinen Vermögensabgabe

    Ich wäre eher dafür, sich die Erbschaften nochmal anzuschauen. Das ist unverdientes Vermögen und sollte höher besteuert werden. Menschen, die ihr Vermögen selbst erarbeitet haben, gehen i.d.R. schon ganz ohne staatliche Gängelung verantwortungsvoll damit um.

  • 🕝 Detlef Reppenhagen

    Bei „Vermögen selbst erarbeitet haben“ möchte ich widersprechen. Erstens geht es nicht um die kleinen Vermögen bis eine Million, zweitens entstehen große Vermögen heute weltweit auf dem Finanzmarkt. Wer Geld hat, bekommt dort noch dazu. Nur die wenigsten „erarbeiten“ Vermögen. Das war vielleicht früher einmal so.

  • 🕝 Sebastian

    > Wer Geld hat, bekommt dort noch dazu

    Woher hat „man“ denn das Geld, wenn es nicht „verdient“ ist? Hauptsächlich durch Erbschaften. Die Nachkommen haben selten Bock auf Streß, Arbeit, Unternehmertum … das Geld vagabundiert ohne Wertschöpfung.

    „Verdientes“ Geld liegt zu großen Teilen als Produktivkapital in Unternehmen und ist an der Wertschöpfung aktiv beteiligt.

    > wenigsten “erarbeiten” Vermögen

    Das kommt auf die Definition von „erarbeitet“ an. Aber wenn man die Forbes-Liste durchgeht, sind schon viele Selfmade-Reiche dabei.

Dein Kommentar:
« Proteste gegen (Teil)abriss der East Side Gallery wachsen
» Spaziergang um den Kleinen Wannsee (Fotos)